Massenanfall von Verletzten (MANV)

Was versteht man unter „Massenanfall von Verletzten“?

Man spricht von einem Massenanfall von Verletzten (MANV), wenn eine große Anzahl an betroffenen Personen versorgt werden muss. Die Gründe hierfür können sehr unterschiedlich sein. Angefangen von einem Autounfall, über Explosionen durch Industrieunglücke oder Terroranschlägen bis hin zu Seuchen und ABC (Atomare, Biologische und Chemische)-Unglücken / Angriffen. Häufig spricht man auch von einem Großunfall oder einer Großschadenslage.

Ablauf bei einem Massenanfall von Verletzten

Sowohl die Personen vor Ort als auch die regionalen Einsatzkräfte gelangen bei einem Massenanfall von Verletzten schnell an die Kapazitätsgrenzen. Aufgrund der Anzahl der verletzten Personen sowie den äußeren Gegebenheiten herrscht zunächst häufig Chaos. Somit ist die wichtigste Maßnahme: Ordnung schaffen. Denn nur so können alle Patienten effizient versorgt werden. Bei einem MANV übernimmt der leitende Notarzt die medizinische Führung und Koordination des Einsatzes.

Alle Patienten werden an einer Patientenablage gesammelt. Diese Stelle sollte im besten Fall außerhalb des Gefahrenbereichs liegen. Nur so können Patienten sicher behandelt und versorgt werden. Sollten Patienten kontaminiert sein, ist es notwendig, diese zunächst zu dekontaminieren. Nur so kann eine Weiterverbreitung unterbunden werden.

Sofern nicht genügend Transportmittel zur Verfügung stehen, um Patienten in umliegende Krankenhäuser aufzuteilen, findet die Behandlung vor Ort an einem separatem Behandlungsplatz statt.

Wie sollte man bei einem MANV Szenario handeln?

Diese Frage gewinnt leider angesichts der andauernden Gefährdungslage immer mehr an Bedeutung. Nach der Alarmierung ist es wichtig, dass die helfenden Personen vor Ort die Ruhe bewahren und versuchen sich einen Überblick zu verschaffen. Anschließend sollten die Patienten gesichtet und der Unglücksort erkundet werdet.

Bei starken Blutungen helfen in der Regel keine herkömmlichen Verbände. Hier greift man meist auf hämostyptische Verbandstoffe oder Abbindesysteme zurück. Für die direkte Wundversorgung können auch Emergency Bandagen eingesetzt werden. Um im Ernstfall die notwendigsten Maßnahmen durchzuführen, haben wir mit erfahrenen Rettungssanitätern ein entsprechendes Trauma Kit zusammengestellt. Die WERO Trauma Kits werden bei einem MANV an die helfenden Personen ausgegeben. Somit können starkblutende Wunden optimal und schnell erstversorgt werden.

Die Stufen bei einem MANV

Vor der eigentlichen Versorgung der Patienten werden diese zunächst gezählt und kategorisiert. Das Vorgehen geht auf die Militärmedizin zurück. Ziel hierbei ist es, die knappen Rettungskräfte zu priorisieren. So legt man den Fokus zunächst auf Patienten mit hohen Überlebenschancen.

Patienten werden bei einem MANV mit einem Filzstift durchnummeriert und in eine von vier Sichtungskategorien eingeordnet. Eine solche Einordnung nennt sich „Triage“ und folgt der Dringlichkeit der Versorgung bzw. Behandlung. Die Markierung erfolgt in der Regel mit Hilfe farbiger Verletztenanhängerkarten.

Man unterscheidet zwischen den Kategorien blau (ohne Überlebenschance), rot (akut, Sofortbehandlung), gelb (schwer verletzt, aufgeschobene Dringlichkeit) und grün (leicht verletzt, spätere Behandlung).

SichtungskategorieFarbcodeBehandlungBeschreibung
SK 1 Rot Sofortbehandlung Akute, vitale Bedrohung
SK 2 Gelb Aufgeschobene Behandlungsdringlichkeit Schwer verletzt / erkrankt
SK 3 Grün Spätere (ambulante) Behandlung Leicht verletzt / erkrankt
SK 4 Blau Betreibende (abwartende) Behandlung Ohne Überlebenschance
Tot Schwarz - -

Das STaRT-Schema bei einem Massenanfall von Verletzten

Zur Kategorisierung bzw. zur Triage greift man auf das STaRT Schema zurück. Die Abkürzung steht für Simple Triage and Rapid Treatment – einfache Einordung und schnelle Behandlung. Das STaRT-Schema wird von medizinischem Personal durchgeführt und dauert pro Patient ca. 60 Sekunden.

  • Zu Beginn werden alle gehfähigen Patienten aufgefordert, sich zum Sammelpunkt zu begeben. Dort werden sie automatisch in die SK 3 eingeordnet und sind entsprechend nur leicht verletzt.
  • Bei anhaltendem Atemstillstand, auch nach Freimachen der Atemwege, werden Patienten als tot eingestuft.
  • Bei einer Atemfrequenz von über 30/min oder einer Rekapillarisierungszeit von über 2 Sekunden werden Patienten SK 1 zugeordnet.
  • Bei Bewusstlosigkeit oder einer inadäquaten Reaktion auf eine Ansprache werden Patienten AK 1 zugeordnet.
  • Alle übrigen Patienten gehören SK 2 an.
  • Eine Zuordnung zu SK 4 findet nur bei extrem limitierten Ressourcen statt.

Die Bedeutung von MANV für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen

Eine gute Vorbereitung und regelmäßiges Training sind das A und O. Alle Mitarbeiter, Gäste und Besucher sollten wissen, wie sie sich im Ernstfall eines MANV zu verhalten haben. Vorbereitung können getroffen werden, indem dafür konzipierte Trauma Kits bereitgehalten werden. So kann in einem Ernstfall schnell reagiert werden und Ersthelfer haben die wichtigsten Materialien für die schnelle Erste Hilfe immer griffbereit.

Ihr Berater vor Ort.